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Vor 50 Jahren gab es in der Hansestadt Bremen ungefähr 300 traditionelle Kaffeeröstereien. Diese importierten die Kaffeebohnen selbst, stellten den Kaffee tagesfrisch her und verkauften ihn im eigenen Geschäft. Heute, da der Kaffee zumeist von internationalen Kaffeegesellschaften produziert und in Supermärkten verkauft wird, sind in Deutschland nur noch eine Handvoll Kleinröstereien übrig geblieben. Eine davon ist die Kaffeerösterei Münchhausen.
Münchhausen importiert seinen Kaffee direkt von Kleinbauern in Lateinamerika. Dabei wird streng auf fairen Handel geachtet, das heißt, die Kaffeebauern werden für ihre anstrengende Arbeit angemessen entlohnt. Damit unterstützt der Importeur zugleich den Kaffeeanbau nach ökologischen Gesichtspunkten. Kaffee aus Großplantagen, oft mit Pestiziden und Insektiziden belastet, ist zwar billiger, aber Qualität und Reinheit des Kaffees werden bei der Kaffeerösterei Münchhausen ganz großgeschrieben.
Der Kaffee wird nach alter Familientradition hergestellt. Die Rezeptur ist die gleiche wie vor einem halben Jahrhundert: Täglich werden die Kaffeebohnen in kleinen Mengen frisch geröstet, gerade so viele, wie an einem Tag verkauft werden. Denn nur so behalten sie ihr Aroma und der Kaffee verliert nicht an Geschmack.
Zuerst werden die Kaffeebohnen in der in den 50er Jahren angeschafften Rösttrommel ungefähr zehn Minuten lang bei Temperaturen von über 200 Grad Celsius geröstet. Dabei verlieren die Kaffeebohnen zwar ein Sechstel ihres Gewichts, ihr Volumen vergrößert sich aber gleichzeitig um etwa ein Drittel. Sind die Bohnen dunkel genug – sie dürfen genauso wenig zu dunkel sein –, werden sie auf der Verleseist geschüttelt, wo von Hand die guten von den schlechten Kaffeebohnen getrennt werden.
Danach erst werden aus den gerösteten Kaffeebohnen verschiedene Mischungen hergestellt, die dann im Kontor, dem Geschäftsraum der Rösterei, fast ausschließlich an langjährige Stammkunden verkauft werden. Aber auch über das Internet vertreibt die Kaffeerösterei Münchhausen ihr Kaffeeangebot deutschlandweit.
Bis zu seinem Tod kurz vor seinem dreiundneunzigsten Geburtstag führte August Münchhausen seinen Familienbetrieb, dann übernahm seine Tochter die Firma, inzwischen ist auch die Enkelin beteiligt. Die Frauen planen, dass der Kaffeeröster in ein Museum zu machen, um der Nachwelt die traditionelle Kunst des Kaffeeröstens zeigen zu können.
Dann hätte diese Institution eine reale Chance, in Zukunft fortzubestehen und zukünftigen Generationen die Geschichte und die Technik der traditionellen Kaffeeröstung zu erhalten. Selbstverständlich wird es auch in Zukunft möglich sein, im Museums-Bistro den Kaffee zu genießen oder für den häuslichen Bedarf zu erwerben.